Sonntag, 30. Dezember 2012

Patagonien // Argentinien - Chile (Teil 3)

Fortsetzung zu "Patagonien // Argentinien - Chile Teil 2"
Um Teil 2 oder Teil 1 zu lesen bitte klicken.

Auf dem Rückweg vom Cerro Torre (3128m) - was für ein Panorama!!
Die Besteigung dieses Berges ist das Maß aller Dinge für Bergsteiger aus der ganzen Welt.

Am 25.12. gegen Nachmittag landete unser Flugzeug aus Ushuaia in El Calafate und schon beim Landeanflug erstrahlte die typisch patagonische Landschaft und der Lago Argentino in der Sonne und die Temperatur machte einen Quantensprung im Gegensatz zum ungemütlichen Klima Feuerlands. So stiegen wir bei bester Laune in den Bus, der uns ins drei Stunden entfernte El Chaltén brachte. 
Auf der Fahrt hatten wir eine traumhaft klare Sicht auf die umliegenden Berge und kurz vor El Chaltén machte der Busfahrer sogar einen kleinen Stopp für ein Foto von Chalten mit dem Cerro Fitzroy und Cerro Torre im Hintergrund in der Abendsonne.

 Cerro Torre (links) und Cerro Fitzroy (Mitte) mit El Chaltén im Vordergrund

El Chaltén

Unser reserviertes Zimmer übertraf die Sicht aus dem Fenster in Ushuaia noch einmal und so hatten wir dieses Mal einen perfekten, klaren Blick auf den Cerro Fitzroy.
Da ich noch immer nicht 100% auf der Höhe war und wir am nächsten Morgen schon unseren viertägigen Trek beginnen wollten, legten wir uns früh schlafen. Im teuren (Schweizer Preise) Ushuaia hatten wir uns schon mit Essen für die nächsten 4 Tage eingedeckt und uns fehlte nur noch ein Zelt und ein paar Kleinigkeiten fürs Frühstück und Zwischendurch.

Cerro Fitzroy in der Morgensonne mit strahlend blauem Himmel 

Am nächsten Morgen standen wir früh auf und waren der festen Überzeugung unser Pech mit dem Wetter in Ushuaia gelassen zu haben, denn der Fitzroy erstrahlte im wahrsten Sinne des Wortes in der Sonne vor dem blauen Himmel. Der Blick auf den Wetterbericht schien uns zumindest weitgehend zu bestätigen, nur 30% Wolken in den nächsten 4 Tagen und die Frau unserer Unterkunft meinte auch, das Wetter wäre in den letzten Tagen traumhaft gewesen - Jackpot! Oder doch "You should've been here yesterday?!

Rio de los Vueltos

Nach dem Frühstück durchkämmten wir so schnell es ging alle Zeltverleihe Chalténs und fanden am Ende ein altes Igluzelt für stolze 7 Dollar p.T. (besser als 30!!!) und einen uralten, verbeulten Klappertopf für 10 Dollar (!!!). Es konnte losgehen. Ahhhh, und quasi mit dem Loslaufen begannen dann auch Wolken am Himmel anzuziehen, aber wir ließen uns noch nicht davon beirren.

Der erste Tag beginnt! 

Am ersten Tag hatten wir mit unseren ca. 14kg (Nadine) bis 17kg (Basti) schweren Rucksäcken einen leichten, aber stetigen zweistündigen Anstieg vor uns. Nach etwa 1 1/2 Stunden erreichten wir sogar schon unseren Mittagessenspot, die Laguna Capri.  

Cerro Fitzroy gegen Mittag des ersten Tages von der Laguna Capri aus gesehen.
Die Tehuelche Indianer nannten den Berg "El Chaltén" - "der rauchende Berg". 

 Der ca. 15kg schwere Rucksack sieht leichter aus als er ist.

Da die Wolken recht schnell zogen änderte sich die Sicht laufend. Von komplett verdecktem Fitzroy bis zu komplett freiem Berg mit "rauchendem Gipfel" war alles kurz dabei. Im Hintergrund immer Schleierwolken. Einen besseren Kochspot konnte man wohl nicht finden, das Panorama war wirklich unbeschreiblich beeindruckend.

 Erste Pause an der Laguna Capri mit Cerro Torre mit Wolken, Schleierwolken, Wind, Sonne...

Wir kochten uns eine leckere Suppe und genossen die Sonnenstrahlen und die traumhafte Aussicht auf den Fitzroy und die umliegende Berglandschaft mit der blauen Lagune im Vordergrund. In dieser Pause machte ich auch das für mich beste Bild der Reise (unten), das vielleicht sogar DAS beste Landschaftsfoto überhaupt ist, das ich bisher gemacht habe. Ich krame immernoch in meinem Gehirn und lasse möglich Kandidaten dagegen antreten, aber bin mir fast sicher, dass es mein Favorit ist, da die Wolken einfach einzigartig sind. Gepaart mit meinem neuen Polfilter, dem schimmernden See und dem Fitzroy, begeistert es mich immer wieder aufs Neue.

Cerro Fitzroy (3406m) in der Nähe von El Chaltén, Patagonien in Argentinien am 26.12.2012.
Für mich das beste Bild der Reise, wenn nicht sogar eines meiner besten Landschaftsfotos!


In der Hoffnung den Fitzroy vielleicht noch unverdeckt aus der Nähe sehen zu können zogen wir nach unserer Pause recht schnell weiter. Vorbei und angetrieben vom Rhythmus der fleißigen Spechte ging es eher flach weiter, was ganz angenehm war, da der volle Rucksack uns schon ganz schön in den Boden hinein zog. 

 Zwei Spechte bei der Arbeit


Die traumhafte Landschaft machte es einem allerdings nicht besonders schwer motiviert weiterzugehen. So erreichten wir am frühen Nachmittag das Camp Poincenot am Fuße des Fitzroy, etwa eine steile Aufstiegsstunde unter der Laguna de los Tres, die der höchste begehbare Punkt ohne Kletterausrüstung ist.

 Die unbeschreibliche Weite der patagonischen Landschaft

Trekkend durch Patagonien - einer meiner Träume wurde hier in Chaltén war!

Unser "Sparzelt" war schnell errichtet und stand wie eine EINS, wenn man das salvadorianische Schulsystem (1-10), bei dem zehn die beste Note ist, als Maß nimmt. Kombiniert mit unseren neuen Vaude Norrsken Hightech Matten, die wir uns gegenseitig zu Weihnachten gegönnt hatten, war es jedoch bequemer als jedes 5-Sterne Bett.

Unser tolles Leihzelt - das günstigste das wir bekommen konnten! :-) 

Da vom Fitzroy aufgrund der Wolken nahezu nichts mehr zu sehen war, widmeten wir uns unserer zweiten "Leidenschaft" - dem Essen, bzw. das Essen musste ja erst gekocht werden. Und wir kochten viel davon. Sehr viel. Wenn man nach den Portionen und den Topf- und Tellergrößen der anderen Trekker ging, (denen wir stehts beim Essen über den Tellerrand lugten) aßen wir vermutlich die 4-6-fache Menge von dem was ein handelsüblicher Trekker so ist, aber wir hatten das Essen nunmal dabei und was weg war, musste man nicht tragen.

 Unsere Küche - wir aßen die 4-fachen Portionen der anderen Trekker... :-)

Am nächsten Morgen quetschte ich mich schon um 4 Uhr morgens aus dem Zelt, um zu schauen, ob sich ein Aufstieg für den Sonnenaufgang lohnen würde. Der Wetterbericht hatte mit seinem 30% Cloudcover wohl nicht recht behalten es sah eher wie 100% Low/High/Mid cloudcover aus.

Happy ohne den großen Rucksack auf einer kleinen Tagestour.

Wir entschlossen uns aufgrund des Wetters die für den Tag geplante Tour ohne Rucksäcke und Zelt zu machen, da wir ohnehin am nächsten Tag wieder dieselbe Strecke zurückgehen müssen hätten. Die Entscheidung war goldwert, denn so großzügig die Zeiten in unserem Guide auch für den ersten Tag berechnet waren, so absolut unrealistisch waren sie für diesen zweiten Tag. Wir schafften nicht einmal die Hälfte der Strecke OHNE Rucksäcke in der Zeit, die für die gesamte Strecke angegeben war.

mystische Wolken

Zudem windete es abartig und der Wetterbericht schien noch weiter von der Realität entfernt zu sein, wie unser Guide. Die Bilder dieses Tages, die man hier sieht entstanden in den Sekunden in denen mal kurz ein "schöneres" Licht herrschte und spiegeln bei weitem nicht den Tag wieder. Insgesamt könnte man das schon jetzt für den Rest des Treks sagen. Die Bilder enstanden jeweils in den Momenten, in denen kurz ein paar Sonnenstrahlen durchblickten, denn 95% der zeit hier im Nationalpark war es schattig und komplett bewölkt. 

Mein neuer Freund...

Am dritten Morgen schien alles auf einen schönen Sonnenaufgang hinauszulaufen und so scheuchte ich Nadine morgens um 4 Uhr aus dem Zelt, damit wir genug Zeit für den Aufstieg zur Laguna de los Tres hatten. Zwar war der Himmel super schön rot eingefärbt, aber die Sonne ließ sich nur ungelogene knappe 20 Sekunden kurz zwischen zwei Wolkenschichten blicken. 

 20 Sekunden SONNE!

5 Uhr Morgens - erstes Licht am Cerro Fitzroy mit der Laguna de los Tres im Vordergrund

Trotz der fehlenden rötlichen Beleuchtung durch die Morgensonne, hatten wir zumindest das Glück den Fitzroy komplett frei von Wolken zu sehen und es war sogar windstill am Ufer der Laguna de los Tres, was wohl recht selten der Fall ist. Wir konnten uns also eigentlich nicht beschweren.

 Sonnenaufgang beim Aufstieg zur Laguna de los Tres am Fuße des Cerro Fitzroy

Wir kraxelten sogar noch ein wenig weiter nach oben und hatten dann von dem Hügel links neben der Lagune einen perfekten Blick auf die links weiter unten liegende Laguna Sucio, die tiefgrün, mit weißen Eisstückchen gesprenkelt, der tiefblauen Laguna de los Tres Konkurenz zu machen versuchte. Die beiden Lagunen sind übrigens über einen Wasserfall verbunden.

Laguna de los Tres (tiefblau - rechts) und Laguna Sucio (grün - links) mit Cerro Fitzroy (mittig). 

 Das tiefblaue Wasser der Laguna de los Tres mit ihren Eisschollen.

Nachdem uns dann langsam unser Vielfraß-Hunger packte und auch die Wolken immer dichter zogen, entschieden wir uns wieder nach unten zu steigen. Schließlich hatten wir ja auch noch eine ordentliche Strecke bis zum Campo De Agostini am Cerro Torre vor uns und mussten noch unser Zelt, usw. verstauen.

 Cerro Fitzroy spiegelt sich im klaren Wasser der Laguna de los Tres. 
Zwar kam die Sonne nicht wirklich raus, aber immerhin war es komplett windstill.

Nach einem leckeren Kaffee und dem obligatorischen Frühstück verstauten wir unsere Sachen und zogen los in Richtung Campo De Agostini. Der Wetterbericht hatte ein weiteres Mal unrecht und so war der Himmel mal wieder komplett bedeckt und es nieselte sogar ab und an ein bisl.

 Schon früh zogen Wolken vor den Fitzroy

Wir hatten uns für eine Abkürzung die an zwei kleineren Lagunen vorbeiführte entschieden. Leider war diese recht spärlich ausgeschildert und so wateten wir schon bald knöcheltief durch feuchte Mooslandschaft, bis wir wieder auf den Weg zurückgefunden hatten. 

 Ab und zu begann es ein bisschen zu tröpfeln.

Immerhin hüpften dadurch ab und zu ein paar bunte Minifrösche durch das Moos, was ein wenig Farbe in den grauen Wolkentag brachte.

getarnter Frosch 

Auch dieser Tag zog sich länger als nach den Wanderzeiten unseres Guides angenommen. Zumindest hatten wir bei der Wahl der Richtung alles Richtig gemacht, denn während unser Weg nun teilweise eine Stunde wirklich steil bergab ging mussten sich die Armen, die in die andere Richtung gestartet waren, die gleiche Strecke steil bergauf schleppen, was mit schweren Rucksäcken sicher die dreifache Zeit bedeutete.

Der dritte Tag zog sich ca. 6 Stunden hin , obwohl es stetig leicht bergab ging!

 patagonische Muster

Die Landschaft änderte sich an diesem Tag immer wieder und in den wenigen Augenblicken, in denen sich die Sonne blicken ließ kam gleich die volle patagonische Farbpalette zur Geltung.


ca. 18 kg auf dem Rücken wurden nach ca. 6 Stunden immer schwerer... 

Kurz zeigte sich an einer Stelle sogar der blaue Himmel. 
Incl. "Paint-Spraydosen-ähnlichen" Wolken 

Als wir endlich unser Camp erreicht hatten, konnte es mit dem Essen nicht schnell genug gehen. Leider wurden wir dabei von ordentlich kräftigen Windböen und ein wenig Regen überrascht und so kam das Eine zum Anderen und auf einmal fasste Nadine an den glühend heißen Kocher, um ihn vor einer Böhe zu retten, so dass ihre Haut richtig schön daran kleben blieb.

Unsere Küche in der dritten Nacht im Nationalpark de los Glacieres am Fuß des Cerro Torre.

Nadine versuchte den heißen Kocher vor einer starken Windböhe zu retten.

Während und nach einem ausgiebigen Nachmittagssnack wurden also die Finger stundenlang in frischestem, eiskaltem Quellwasser gekühlt, bis der Schmerz so langsam erträglicher wurde. Mit Eiswasser Schüsselchen ging es sogar kurz zur Lagune.
An einen Sonnenuntergang bzw. Sicht auf den Cerro Torre war aber nicht zu denken. Wir waren uns noch nicht einmal sicher, auf welcher Seite der Lagune er denn liegen sollte. :-) So war das Höchste der Gefühle am Ende des langen Tagen noch ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen, die sich mühsam durch die Wolken quetschten.

 Als sich der Wind ein wenig legte, genossen wir die Sonnenstrahlen die sich kurz blicken ließen.

Nachdem Nadine die Hälfte der Nacht ihre Hand in Eiswasser gekühlt hatte und deshalb nicht den besten Schlaf abbekommen hatte, kämpfte ich mich alleine gegen 5 Uhr aus dem Zelt, in der Hoffnung den Cerro Torre und bestenfalls sogar einen Sonnenaufgang zu sehen.
Ich wartete tapfer über eine Stunde und obwohl mir immer wieder Sonnenstrahlen auf den Rücken schienen, kamen sie nie auf der Oberfläche des Cerro Torre an. Zumindest hatte ich genug Glück, um wenigstens den Berg in seiner ganzen Schönheit zu sehen. Er gilt wohl nicht umsonst unter Bergsteigern als einer der schönsten Berge der Welt. In dieser Stunde wurde ich nicht nur vom eisigen Wind zum Eisklötzchen gefroren sondern erlebte auch eine richtige Show was Wolken, Schatten und Licht anging.

 Kurz nach dem Sonnenaufgang am Cerro Torre. 
Ich beobachtete das Spektakel in eisiger Kälter im eisigen Wind für über eine Stunde...


Danach kroch ich wieder in meinen Ajungilak windgeschützten Zelt, aber irgendwie wurde es nicht mehr wirklich warm und so half erst unsere kleine Wärmflasche, um die uns so mancher in unserer Patagonienzeit beneidet hat.
Als wir später zum Frühstück aus dem Zelt krochen war der Cerro Torre schon wieder kurz davor sich in den Wolken zu verstecken und wir wussten schon jetzt, dass wir an unserem letzten Tag mal wieder mit 100% Wolkendecke zu rechnen hatten...


 Cerro Torre am Morgen unseres letzten Tages!

Nach dem riesigen Frühstück packten wir dann ein letztes Mal unser Wundersparzelt zusammen und dann gings los auf die letzte Etappe, die dank der aufgebrauchten Fressreserven schon ein bisl leichter begann und zudem recht überschaubar war.

Auf dem Rückweg nach El Chaltén

Trotz der Wolken hatten wir das Glück den Cerro Torre bis er hinter einer Wegkuppe verschwand zu sehen. Mit verschiedensten Vordergründen und Landschaftsformen. Es fiel wirklich schwer, sich nicht alle paar Minuten umzudrehen, um noch einmal einen Blick auf die Bergkette zu werfen.

 kurze Verschnaufpause mit traumhaftem Panorama im Hintergrund

 Kontraste

Nach vier Tagen Wolken und recht bedecktem Wetter, waren wir trotzdem absolut geflasht von den Eindrücken dieses Treks. Es hätte ja auch 4 Tage durchregnen können und wir hatten immerhin das Glück die beiden Berge unverhüllt gesehen zu haben, welches nicht jeder müde Wandersmann, den wir auf dem Weg trafen gehabt hatte. In den kurzen Sonnenmomenten leuchte die Landschaft noch schöner als 95% der restlichen Zeit, aber auch im unbeleuchteten Zustand war sie einfach atemberaubend. Schon jetzt war klar, dass diese vier Tage ein absolutes Highlight der Reise waren!!

 Ein letzter Blick zurück auf diesen atemberaubenden Gipfel.

Eine letzte Pause vor der Rückkehr nach El Chaltén  

Glücklich, zufrieden und mit schmerzenden Füßen erreichten wir dann gegen Mittag El Chaltén und ihr könnt euch vorstellen, was auf der Prioritäten Liste ganz oben stand; richtig - ESSEN!
So verschlangen wir ein paar frisch aus dem Ofen gekrochene Empanadas, hüpften unter eine heiße Dusche, verschlangen mehr Empanadas und dann ging es zum Abschluss noch lecker Essen im besten Restaurant des Dörfchens! Was für ein gelungenes, schönes Ende für das Jahr 2012.

Das Ziel vor Augen und die unglaublichen Eindrücke der letzten 4 Tage im Herzen.



Fortsetzung folgt im Teil 4



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